Dr. phil. Paul Natterer

Biographischer Hintergrund

Fazit zur Religionsphilosophie

Am Ende des E-Portals zur Religionsphilosophie habe ich das Fazit gezogen, dass das Universum der Katholischen oder Weltkirche der Denk- und Lebensraum eines Ernst zu nehmenden Weltbildes ist. Ich sagte, dass sowohl die fachübergreifende wissenschaftliche Evaluation wie persönliche Erfahrung und Einsicht in diese Sicht münden. Und dies gelte trotz der globalen und tiefgreifenden Krise der Römischen Kirche. Also unabhängig davon, dass das Universum der katholischen Weltkirche seit der 1968er Kulturrevolution in hundert Intensitätsgraden überlagert und besetzt wurde durch die ebenso revolutionäre wie totalitäre Humanitätsreligion der westlichen Moderne. Wir haben deren Geist mit den Begriffen Liberalismus — Subjektivismus — Agnostizismus beschrieben. Die vor-68er Kirche analysierte das Phänomen als "inkonsistenten und impotenten Humanitarismus [...] geisteskranker Träumer, Rebellen und Schurken", als eine die messianische Zivilisation in "soziale und intellektuelle Anarchie" führende Übertölpelung und Phantasmagorie der Mächte der Finsternis (Pius X.: Notre Charge Apostolique 1910). Oft oder mehrheitlich handelt es sich heute, sagten wir, um ein letztlich schizophrenes Nebeneinander oder Oszillieren zwischen rechtgläubigen und häretischen Positionen. Als gemeinsamer Nenner der disparaten Glaubenslandschaft erscheint eine immer weitgehendere Ein- und Unterordnung des christlichen Israel bzw. der Weltkirche unter die Agenda und westliche Leitkultur des nichtchristlichen Israel.

Wir haben auch deutlich gemacht, dass auf Seiten der Verteidiger und Bewahrer von Schrift und Tradition des neutestamentlichen Israel bzw. der katholischen Kirche schöpferische Kraft vermisst wird, also eine inspirierende Zukunftsvision, spirituelle Konzentration und intellektuelle Überlegenheit, Selbstvertrauen, prophetische Kritik und Durchsetzungswille.

Schließlich und endlich haben wir die These vertreten, dass die hinter diesem E-Portal stehenden intellektuellen Analysen und existentiellen Erfahrungen eine Synthese sichtbar werden lassen, die falsche Alternativen vermeidet. Und dass diese Synthese schöpferisches Potential: Geist und Kraft, beeinhaltet und freizusetzen vermag.

Wir stellen dagegen sowohl im liberalen wie halbkonservativen Hauptstrom der Kirche als auch bei vielen traditionellen Gruppierungen einen Mangel oder völliges Fehlen an Geist und Kraft fest — intellektuell und moralisch, individuell und sozial. Dieser Mangel lässt sich mit Händen greifen an der die Römische Kirche zur Zeit beherrschenden Debatte um die Geschlechtsmoral, um wiederverheiratete Geschiedene, Homosexuelle und den Presbyterzölibat. Da dieses Feld zudem die Gelegenheit bietet, einiges Biographische zu klären, soll das oben im Allgemeinen Gesagte hieran näher veranschaulicht werden.

Ich habe die innerkirchliche Debatte auf und nach der Römischen Bischofssynode 2015 zu Ehe und Familie einige Zeit verfolgt. Meine Intuition ist die, dass wir hier ein eitles Bemühen beobachten, dem die Kraft mangelt, irgendetwas zu bewegen. Es fehlt eine konsequent rationale Problemlösung, d.h. wissenschaftliche, ganzheitliche, interdisziplinäre Ableitung des Denkens und Handelns aus Erfahrung und Vernunft sowie aus der respektierten und meditierten Schrift und Überlieferung. Stattdessen erleben Beobachter sehr viel Konsenssuche auf den Ebenen von Phantasie und Gefühl, Konvention und Zeitgeist. Ich habe während zwei Jahrzehnten eine solche hier eigentlich geforderte wissenschaftliche und spirituelle Rekonstruktion der Sexualethik sowie der Ehe- und Familienmoral durchgeführt (s.u.) und weiß deshalb, was eine rationale Problemlösung ist und was nicht.

Modernistische "Fesselung der Selbstverwirklichung"

Kardinal Walter Kasper, der Cheftheologe und Berater von Papst Franziskus in Sachen Ehe und Familie, räumte selbst in einem Interview resignierend ein, dass hier — wie auch sonst — in der Römischen Kirche trotz zahlreicher Synoden und ungezählter Aktivitäten die Dinge stagnieren und sich kein Erfolg zeige. Zu dieser seit Jahrzehnten bestehenden Krise und zu diesem Stillstand habe ich bereits Mitte der 1980er Jahre mit dem späteren Kardinal Kasper eine briefliche und persönliche Diskussion geführt. Er war damals Professor der Theologie in Tübingen und ich leitete den deutschen Distriktssitz der FSSPX im benachbarten Stuttgart. Mein und nicht nur mein Eindruck war, dass er in seinem heimischen theologischen Milieu durchaus an Geistesweite und Reflexionstiefe hervorstach, aber — sicherlich auch bedingt durch den absorbierenden universitären Verwaltungsbetrieb — davor zurückschreckte, sich ultimativen Fragen gründlich zu stellen. In meiner Wahrnehmung verblieb er so innerhalb einer zwar reduzierten, aber doch vorhandenen erkenntnistheoretischen, exegetischen etc. Vorurteilsstruktur. Im Stahlbad des öffentlichen Lebens außerhalb des gewohnten Milieus und — noch wichtiger — sub specie aeternitatis ist dies zu wenig.

Walter Kasper hatte damals ein gottesdienstliche Belange berührendes Lehrschreiben Johannes Paul II. mit einem Kommentar veröffentlicht. Der Kommentar Kaspers zeigte mindestens psychologisches Verständnis für die Widerstände gegen die abrupt und autoritär auferlegte sog. neue Liturgie und plädierte für mehr Toleranz und Einfühlungsvermögen traditionsorientierten Gläubigen gegenüber. Daran anknüpfend suchte ich ihn vergeblich für die vieldiskutierte Analyse der modernen Liturgie und Seelsorge zu sensibilisieren, welche der Wissenschafts- und Kulturtheoretiker und Pionier einer interdisziplinären Psychoanalyse Alfred Lorenzer vorgelegt hatte (Das Konzil der Buchhalter. Die Zerstörung der Sinnlichkeit. Eine Religionskritik, Frankfurt a. M. 1981 [42016]). Ich glaube z.B., dass die Beschäftigung hiermit auch und gerade seinem Engagement in der jüngsten Synode zu Ehe, Familie und Sexualität mehr Realitätsnähe und Durchschlagskraft hätte geben können, ohne der Glaubensorthodoxie nahe zu treten. Und dass Lorenzers Analysen ihm bereits früher, in dem legendären Streitgespräch mit dem Theologen und Psychoanalytiker Eugen Drewermann, entscheidende Gegenargumente an die Hand gegeben hätten (ZDF: 06.02.1992).

Arbeitsschwerpunkt des neomarxistischen, kirchenkritischen Atheisten Lorenzer sind bzw. waren psychosoziale Formationsprozesse des Erwachsenenlebens und mögliche Verformungen derselben. Neben der Psychologie sind seine Quellen die religionssoziologischen Untersuchungen Max Webers und die Forschungen Ernst Cassirers und seiner Schülerin Susanne Langer zur zentralen Bedeutung symbolischer Formen und Interaktionen im menschlichen Denken und Handeln. Symbolische Formen sind bildliche bzw. metaphorische Repräsentationen und Aktionen, die in und über ihrer materiellen Erscheinung sinnliche Darstellungen geistiger Begriffe und Sachverhalte sind. Symbolische Formen können sowohl solche der physischen Außenwelt sein (z.B. das Taufbad als Symbol der Reinigung der Seele) als auch imaginale mentale Vorstellungen (z.B. die poetische Bildwelt der Psalmen). Lorenzer sagt nun, dass er das in Rede stehende Buch geschrieben habe, weil die Römische Kirche die quantitativ bedeutendste und qualitativ erfolgreichste Sozialisationsagentur der menschlichen Geschichte sei: Die symbolischen Bildwelten ihres kulturellen Universums seien Garant der Weltbewältigung und seelischen Integrität und Gesundheit von mehr Menschen als jede andere Institution erfasst, auch wenn man ihr Glaubenssystem theoretisch ablehne: „Die ‚innere Transzendenz‘ des Menschen, die Verankerung seines Erlebens, Denkens und Handelns im ‚Jenseits vom Rationalen‘ ist in den religiösen Mythen sinnlich angemessener aufbewahrt als in den metapsychologischen Konstruktionen der Psychoanalyse.“ (1981, 11) Und deswegen betreffen dramatische Einschnitte wie das II. Vatikanische Konzil und die sogenannte Liturgiereform unmittelbar oder mittelbar die psychische und soziale Gesundheit aller Menschen und müssen den Psychologen und Psychotherapeuten mehr interessieren als die meisten anderen Probleme: „Kirche steht … für überfamiliale Sozialisationsagenturen, für das von der Psychoanalyse noch nicht erschlossene Terrain der sekundären Sozialisation“ und „Gegenstand“ der „hier vorgelegten Religionskritik … ist wesentlich die Untersuchung der Wechselbeziehung zwischen überfamilialen (religiösen) Symbolisierungen und Persönlichkeitsstrukturen“ (1981, 13).

Und hier müssen, so Lorenzer, Psychologen und Kulturwissenschaftler in der Liturgiereform nach dem II. Vatikanum das wahrscheinlich größte kulturelle Vernichtungswerk der Geschichte erkennen, das sakrale Architekturen weltweit in einem geist- und herzlosen Vandalismus brutal zerstörte. Oder Dome, Kirchen und Kapellen als sinnlich-symbolische Gesamtkunstwerke durch sogenannte Volksaltäre und Dutzende sonstiger Eingriffe inkl. der praktischen Abschaffung der „Symbolprovinz der Kirchenmusik“ ihrer ästhetischen Schlüssigkeit und symbolischen Aussagekraft beraubte. Noch stärker wiege aber die Zerstörung des über Jahrtausende organisch gewachsenen, den Geist und alle Sinne optimal ansprechenden und Freiraum für die individuelle Teilnahme und regionale Traditionen bietenden Gesamtkunstwerkes der Römischen Liturgie und seiner Erlebnisbedeutung: „Was in Ritual und Mythos ausgedrückt wird, sind nicht einzelne Lebenserfahrungen, sondern sind die ‚Lebenssymbole‘ selbst. Anders formuliert, es sind Leib-Seele … Liebe … Macht und Tod. Sie sind Teil des unablässigen menschlichen Suchens nach Begreifen und Orientierung […] Sie verleihen seinen … Ängsten und Idealen aktive und eindrucksvolle Form“ (1981, 33). Dieses zentrale humane Bedürfnisse und Gefühle durch seine „präsentative [ganzheitlich-imaginale bzw. bildhaft-rituelle] Symbolik“ angemessen ansprechende und befriedigende Ritual sei einer funktionalen Indokrinationsveranstaltung mit pausenlosem verbalen Aktivismus und Widerwillen erzeugenden optischem Exhibitionismus gewichen, dem binnen weniger Jahre 80 % der Gottesdienstbesucher den Rücken gekehrt haben.

Die neue Liturgie sei die „instrumentalistische Fesselung der Selbstverwirklichung der Subjekte" (108). Denn „die Reform hat das Kunstwerk ‚Ritual‘ von Grund auf zerschlagen und dadurch die Liturgie voll ideologisiert: als Lehrveranstaltung mit didaktisch eingerichteten, curricular gegliederten Texten. Im Übrigen konnte eine solche Reformoperation nur zur Zerstörung führen: Die Ambition in ein kulturell gewachsenes Kunstwerk einzugreifen durch Beschlussfassung einer Versammlung von Funktionären, ist entweder naiv oder größenwahnsinnig“ (192). Lorenzer: „Der neue Bildersturm entspringt … dem Aggiornamento [Anpassung] an den modernen Zeitgeist — auf der Höhe eines rationalistischen Instrumentalismus […] eine Barbarei, die eigenmächtig ruiniert, was allen gehört “ (205, 207). Und in ethischer Hinsicht verweigert dieser neue Bildersturm den Menschen bewährte symbolische Formen ihrer kognitiven und moralischen Ideale sowie emotionalen Bedürfnisse und liefert sie wehrlos der konkurrierenden amoralischen Symbolwelt des kapitalistischen Konsumismus und Hedonismus in Werbung, Medien und Filmindustrie aus.

Soweit die zentrale Argumentation Lorenzers. Sie ist sicherlich jenseits theologischer Differenzen eine fruchtbare Diskussionsgrundlage wichtiger Gesichtspunkte, die für eine Situationsanalyse und Problemlösung bis heute einschlägig und unverzichtbar sind. Walter Kasper wehrte sie in unserem damaligen Gedankenaustausch ab unter Berufung auf die vielfach problematische und sachlich unseriöse Schale, in welche Lorenzer diese zentrale Argumentation verpackt, nämlich eine manchmal ausgesprochen ignorante naturalistische und historische Vorurteilsstruktur mit allerlei hinterfragbaren Ausflügen in Politik und Zeitgeschichte.

Die Schopenhauer'sche Einsicht

Nun, aufgrund biographischer Vorgaben und spiritueller Erfahrungen konnte ich der Radikalität und Universalität, die wir hier vermissen, weder im Denken noch im Handeln ausweichen. Von außen und in der öffentlichen Perspektive spiegelt dies der diesem Portal beigefügte Lebenslauf (CV). Zur inneren und persönlichen Dimension habe ich dazu eine Biographisch-rechtliche Dokumentation in Buchform erstellt. Sie umfasst neben einer Autobiographie und psychologischen Evaluation die Schriftsätze einer kirchenrechtlichen Auseinandersetzung 19951997 mit dem Generalhaus der FSSPX. Ich ließ sie zwecks juristischer Optimierung von der in der Materie seinerzeit in Deutschland führenden Anwaltskanzlei in Frankfurt durchsehen. Sie beschieden mir perplex und mit vielen Komplimenten, es gäbe schlicht keine Verbesserungsmöglichkeiten: Die Prozessführung, die die moraltheologische und kirchenrechtliche Korrektheit, Unabweisbarkeit und Hochwertigkeit meiner biographischen und fundamentaltheologischen Aufarbeitung zum Gegenstand hatte, sei sachlich zwingend und formaljuristisch perfekt. Eine Zweitfertigung der Unterlagen liegt u.a. im Archiv des Bistums Würzburg. Der langjährige Generalvikar der Diözese Würzburg, Dr. Karl Hillenbrand, las sie 2011 und sagte mir nach der Lektüre, dass ihn in seinem gesamten Leben kein Text so erschüttert habe. Er habe ihn ohne Unterbrechung zweimal hintereinander gelesen.

In einem abendfüllenden Interview 1998 im SWR habe ich mit dem Moderator und Autor Jürgen Hoeren seinerzeit diese Dinge erörtert, so dass wir hier lediglich zusammenfassen, dass es um frühkindliche Dämonisierung und religiöse Vergewaltigung sowie moralischen Zwang geht in Verbindung mit psychologischem Hospitalismus, psychovegetativem Erschöpfungssyndrom und tödlicher Tumorerkrankung: Ich lebe seit Jahren ohne medizinische Erklärung und ohne ärztliche Beglaubigung. Ich erinnere bis heute den Schock des Pflegepersonals der Onkologie des Universitätsklinikums Würzburg, als ich 2011 nach Monaten Bewegungsunfähigkeit und maximaler Morphin-Medikation auf eigenen Füßen aus dem Einzelzimmer für Schwerstfälle und/oder Sterbezimmer auf den Stationsflur trat. Sie erzählten später, sie hätten geglaubt, ein Gespenst zu sehen. Eine Anwältin sagte einmal, diese Biographie sei das härteste Schicksal, das sie in ihrer Praxis je erlebt oder von dem sie gehört habe. Das braucht hier im Einzelnen dennoch nicht weiter zu interessieren, zumal diese Dinge in der Rückperspektive als transzendente, passive Prüfungen über die Lebensspanne ins Relief treten, deren menschliche Unbeeinflussbarkeit z.B. das Buch Ijob thematisiert. Ferner sind sie servatis servandis nicht nur im im Blick auf Buße und Läuterung potentielle Gaben (s.u.). Ich erwähne es lediglich summarisch und zwar aus drei Gründen.

Einmal könnte bei unserer Betonung der Bedeutung von Exzellenz und von Eliten sowie von Glück und gelingendem Leben der falsche Eindruck entstehen, (i) dass hier die Schopenhauer‘sche Einsicht verdrängt oder heruntergespielt werden soll, dass diese Erde zugleich eine Arena von Kampf, Schmerz, Leiden, Not und Unglück ist. Und zu wenig stark gewichtet wird, (ii) dass der prophetische Theismus des Alten wie Neuen Testamentes v.a. Armen und Leidenden Heil verheißt und die Erfahrung stark macht, (iii) dass Gott oft das Schwache und Unwürdige erwählt, um das Starke und Selbstgerechte zu beschämen (so das Selbstbild des Völkerapostels Paulus und Franz von Assisis). Dass ferner (iv) Armut, Leiden und Verachtung drei Aspekte der vollkommenen Nachfolge Christi sind, die z.B. im Fokus der Ignatianischen Exerzitien stehen (Betrachtung über die ‚Drei Weisen der Demütigung‘). Dass (v) mentales, physisches und soziales Leid bei entsprechender Einstellung Geist, Körper und Verhalten besonders wirksam läutert, sodass schwere und lange Krankheit in Kürze selbst lebenslange Extrem-Askese deklassiert (David von Augsburg). Dass (vi) mentales, physisches und soziales Leid bei entsprechender Einstellung das Licht maximaler Aufklärung und Erkenntnis erzeugt und wirkliche Weisheit eine Funktion von Leiden ist. Dass (vii) Glück eine Funktion von Aszese und Leidensbereitschaft ist, welche die Rückkehr nach Eden ermöglicht und damit ultimative Würde, Schönheit und Wonne, was Hauptthema des Werkes Johannes‘ vom Kreuz (15421591) ist, der klassischen Autorität der Römischen Kirche für das Feld der spirituellen oder mystischen Theologie. Dass (viii) wirkliche, ultimative Macht eine Funktion konsequenter Aszese und körperlicher, seelischer, spiritueller, sozialer und ökonomischer Grenzbelastungen alias Leiden ist. Dass somit (ix) ein innerer Zusammenhang und sogar eine Bikonditionalität von Leiden und Leistung besteht, von Leidensdruck und echtem, dauerhaftem Erfolg, was Thema des Buches Ijob, der Gottesknechtlieder in Jesaja oder der Korintherbriefe des Apostels Paulus sowie des spirituellen Klassikers Traité de l‘amour divin (Theotimus) von Franz von Sales ist, der drei Ebenen der performance unterscheidet: (a) Die Lehre als schwächste Form; (b) das Beispiel als wirksamere, aber nicht durchschlagende Form; (c) die Übernahme der Nöte, Schwächen und Sünden des jeweiligen Wirkungskreises als wirksamste Form, derer sich auch der Messias alias Leidensknecht bediente, der hierin so St. Paulus nachzuahmen ist „um an unserem Leibe zu ergänzen, was an den Leiden Christi noch aussteht“, so dass „wir täglich sterben, und doch leben“. Dasselbe in Laotses Worten: „Wer den Schmutz des Reiches auf sich nimmt, der ist der Herr [...] Wer das Unglück des Reiches auf sich nimmt, der ist der König der Welt.‘ Wahre Worte sind wie umgekehrt [paradox].“ (Tao te king) Ich denke, dass unsere Bekenntnisse den möglichen falschen Eindruck, dass wir nicht auf der Höhe der Schopenhauer‘schen Einsicht sind, ein für alle Mal korrigieren.

Die Weisheit des Rechtes

Zweitens sollte das Gesagte summarische Erwähnung finden, weil es die Bedeutung von Recht und Gesetz zum Schutz und Wohl von Personen anschaulich macht, und im Besonderen von machtlosen Menschen wie Kindern. Weise und gerechte Gesetze schützen nicht nur vor menschlicher Gewalt und Eigenwillen, sondern auch vor menschlicher Torheit und Schwäche. Insofern handelt es sich um eine für die Gestaltung der Zukunft relevante und bei geringerer Ausprägung leicht übersehene Lebenserfahrung. Dies ist umso relevanter als eine der bedenklichsten Entwicklungen der Gegenwart die massenhafte Ignorierung und Missachtung von Verfassungen und Gesetzen ist und die faktische oder sogar offizielle Absolutsetzung der Exekutive, also der unkontrollierten Macht. Oder noch totalitärer und inhumaner: Der subversive oder revolutionäre Transfer der Macht an nicht durch Gesetz, Wahl oder Tradition legitimierte Räte, Kommissionen, Konferenzen und Nichtregierungsorganisationen in Kirche und Staat. Ursache aller in der genannten Biographisch-rechtlichen Dokumentation thematischen Negativerfahrungen war die Nichtbeachtung des Rechtes und Gesetzes, hier des Kirchenrechtes. Die Vertreter des Gesetzes haben 19591966, 19771981 und 19951997 wichtige Gesetze und Vorschriften schlicht ignoriert und ihnen über Jahre strikt zuwider gehandelt. Voraussetzung für das nachträgliche Klären und Sortieren der Situation war wiederum die Weisheit des Rechtes, konkret des Codex Juris Canonici (CIC 1917) bzw. seiner Quellen, des mit Abstand ältesten, realitätsdichtesten und reflektiertesten Gesetzeswerkes der Geschichte, dessen Geltungsbereich wahrscheinlich mehr Menschen umfasste und umfasst als alle anderen Gesetzesbücher und Rechtssammlungen der Menschheit zusammen. 

Das Recht der praktischen Vernunft

Der dritte Grund, weshalb wir summarisch auf das autobiographische Material eingehen, ist die Tatsache, dass die psychische, soziale und moralische Befreiung aus den eingangs genannten Hypotheken ein jahrzehntelanger sehr schwieriger Weg u.a. durch alle psychosozialen Entwicklungsphasen Eriksons hindurch war und keinesfalls mit konventionellen Mitteln und auf gewöhnlichen Wegen möglich. Es wurde gesagt, dass im Gegenteil gerade die zuständigen Autoritäten sich eines fortgesetzten Fehlverhaltens gegen ethische Prinzipien und noch stärker gegen das Kirchenrecht schuldig machten: Es besteht die Rechtsvermutung, dass sie sich deswegen die automatisch (ipso facto) eintretende Exkommunikation zuzogen.

Die Befreiung aus diesen traumatischen Verstrickungen und die heutige unbehinderte und autonome Verwirklichung der aszetischen Lebensform erfolgte vielmehr durch die ebenso unkonventionelle wie unbedingte Liebe eines mir geschenkten Schatzes, welche unsere gleichermaßen unkonventionelle, aber ethisch reflektierte und m.E. theologisch bedeutsame gesetzliche Eheschließung 2003 spiegelt. Theologisch bedeutsam deswegen, weil jahrzehntelange Erfahrungen und Beobachtungen nahelegen, dass hier unter der ebenso organischen wie zwingenden Führung des Geistes Gottes etwas Prototypisches gewachsen ist, dem nicht dem Buchstaben nach, wohl aber dem Geist nach eine Schlüsselfunktion zukommt in der Wiedergewinnung von Geist und Kraft für das Presbyterat der Römischen Kirche. Diese Feststellung ist ungewöhnlich und sehr herausfordernd, aber nicht leichtfertig oder anmaßend, sondern das Fazit aus 20 Jahren selbstkritischer Prüfung sowie Ausschau nach Menschen mit analogem Profil und Charisma. Eine Probe aufs Exempel für die angesprochene theologische Bedeutung mag die Tatsache sein, dass diese Liebe die Bedingung der Möglichkeit war, 1996 das 1981 nach jahrelangem „psychologisch und kirchenrechtlich kaum nachvollziehbarem moralischen Zwang“ (Dr. Hillenbrand) übernommene Presbyterat ethisch und moraltheologisch reflektiert zu sanieren und bruchlos fortzusetzen.

Was solche ideellen Entwicklungen und individuellen Lebenslinien angeht, so ist nach dem interdisziplinär gebildeten Theologen, Konvertiten und späteren Kardinal John Henry Newman charakteristisch für die Aspekte einer echten, wahren Idee und einer geistgeführten Entwicklung, dass sie “auf den ersten Blick unverträglich und unverhältnismäßig scheinen oder sogar monströs. Und doch werden alle diese Anormalitäten verschwinden und alle diese Gegensätze werden ausgeglichen werden: Die prima facie vorliegende Unähnlichkeit ihrer Aspekte wird, wenn erklärt, zu einem Beweis ihrer Substantialität und Vollständigkeit und ihre Vielfältigkeit wird zu einem Beweis ihrer Ursprünglichkeit und Kraft” [orig: „that they seem at first sight incompatible und disproportionate, or even monstrous, and yet all these anomalies will disappear and all these contrarieties be adjusted, – and the prima facie dissimilitude of its aspects becomes, when explained, an argument for its substantiveness and integrity, and their multiplicity for its originality and power.“] (An Essay on the Development of Christian Doctrine, Notre Dame, Ind. 1989, 3435)

Auch hier geht es um die Überwindung falscher liberalistischer und traditionalistischer Alternativen in einer höheren Synthese. Dabei steht außer Frage und ist die Erfahrung der anerkannten Meister, die von Berufenen jederzeit nachvollzogen werden kann, dass die in spiritueller Hinsicht höhere Lebensform selbstverständlich die aszetische und damit die zölibatäre ist. Bekanntlich ist das auch für den Buddhismus und Hinduismus ein matter of fact. Ebenso selbstverständlich gilt das nur objektiv und im Allgemeinen und nicht subjektiv und im Speziellen, wo zu Tage liegt, dass die bei korrekter Einstellung ebenso anspruchsvolle Berufung zur Ehegemeinschaft und Elternschaft der häufigere Fall ist.

Aber genauso fordert der im modernen wie traditionellen Lager des westlichen Klerus beobachtbare Mangel an Vision, Dynamik und Effizienz eine Antwort. Und sie hat in irgendeiner Form durchaus auch mit dem Exzellenz- und Balanceverlust des männlichen und weiblichen Elementes zu tun, den im Übrigen die Ostkirche so nicht aufweist. Dabei ist es nicht so, dass das Thema unterrepräsentiert wäre. Es ist eher überrepräsentiert. Aber es fehlt vorurteilslose empirische Forschung und leidenschaftslose rationale Reflexion nach ethischen Standards. Bei der so fehlenden theoretischen Klarheit und Konsistenz besteht dann in der Praxis die Gefahr von Doppelbödigkeit und Doppelzüngigkeit, was erfahrungsgemäß die moralische Spannkraft von Sozialsystemen sofort aufweicht, wie ich sowohl im progressiven wie im traditionellen Kontext selbst erleben konnte. Das Gesetz des Messias, d.h. die Evangelien, warnen deswegen besonders vor dem Sauerteig der Pharisäer (Traditionsvertreter) und Sadduzäer (Progressisten), nämlich der Heuchelei. Das progressistische Lager erliegt dabei tendenziell eher libertinistischen und pseudoemanzipatorischen Phantasien und Versuchungen. Im traditionellen Lager findet sich die Versuchung zur autoritären Reglementierung und Verwaltung unerlöster Situationen und zur verdeckten Fixierung auf das Thema (Prüderie). In meiner Erfahrung kann bei einer solchen Entwicklung die Distanzierung von Sozialsystemen die Bedingung der Verwirklichung der sechsten Seligpreisung der Bergpredigt sein: „Selig die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“ (Matthäusevangelium 5, 6)

Rationale Problemlösung zur Erotik, Ethik und Spiritualität

Die bekannteste in der Literatur beschriebene Wissenschaft der Erotik qua systematische Theoriebildung zur Erotik, Ethik und Spiritualität, stammt von Sokrates‘ Mentorin Diotima, worüber Sokrates / Platon im für die platonische Philosophie zentralen Dialog Sympósion berichten. Dieser Dialog gipfelt in Sokrates‘ Diotimarede. Auch die von den Kirchenvätern an religionsphilosophischer Bedeutung in eine Parallele zum Alten Testament gerückte platonische Philosophie insgesamt ist Wissenschaft der Erotik qua experimentelle Grundlegung, systematische Theoriebildung und rationale Problemlösung zur Erotik, Ethik und Spiritualität. Platons Philosophie ist in Theorie und Praxis als éros (Liebe, Sehnsucht, Trieb) nach Erfüllung einer Bedürfnishierarchie zu beschreiben bis zum „[End-]Ziel der Liebe [...] als ginge es eine Stufenleiter hinauf [...], von den schönen Körpern ... zu den [wohlgestalteten Seelen und] schönen Lebensberufen und von diesen zu den schönen Wissensgebieten, um schließlich ... zu jenem Wissen zu gelangen, das nichts anderes zum Gegenstand hat als jenes Schöne an sich, das er ... schließlich in seiner Absolutheit erkennt“ (Diotimarede des Dialoges Sympósion (211c und überhaupt 201d212c; vgl. die klassische Interpretation des Sympósion durch Gerhard Krüger: Einsicht und Leidenschaft. Das Wesen des platonischen Denkens, Frankfurt a. M.,  6. Aufl. 1992).

Ausgehend von von dem o.g. persönlichen Klärungs- und Handlungsbedarf beanspruchen wir nun, zum zweiten Mal in der Ethikgeschichte nach Diotima / Sokrates / Platon die Sexualethik, Erotik und Spiritualität in einem Langzeitforschungsprojekt wissenschaftlich-methodisch unter konsequenter Beobachtung ethischer Standards interdisziplinär überprüft und praktisch evaluiert zu haben: biologisch / medizinisch / motivationspsychologisch / persönlichkeitspsychologisch / psychotherapeutisch / soziologisch / ethnologisch: indigene und Hochkulturen, Vajrayana-Buddhismus, Daoismus, Tantrismus, Zen-Buddhismus / religionswissenschaftlich / moralphilosophisch / moraltheologisch / aszetisch / spirituell / juristisch. Dies schloss ein professionelles Studium der Persönlichkeits-, Entwicklungs-, Emotions- und Sozialpsychologie ein wie auch eine psychologische Selbstanalyse bei jeweils führenden Experten. Dasselbe gilt von der fachübergreifenden Evaluation aller Gesichtspunkte und Ereignislagen der Ethik von Ehe und Familie, wo ich zwei Kinder meiner Gefährtin erzogen habe. Auch sie unterstehen einer transzendenten Führung und haben in einem Fall heroischen Anteil an unserem Weg.

Die Ergebnisse des theoretisch-praktischen Forschungsprojektes bestätigen im Wesentlichen die Einsichten und Erfahrungen der Tradition, stellen sie aber in ein interdisziplinäres Koordinatensystem, dem auf der spirituellen Ebene ein m.E. so in der Theologie und Seelsorge woanders nicht spürbarer Geist des Rates und der Stärke korrespondiert. Sie korrigieren auch nicht wenige Fehlurteile, zum Teil durch Rückgang auf Einsichten früherer Jahrhunderte oder entlegenerer Quellen und beheben Lücken in der Theorie, worauf bei gegebenem Anlass zurückzukommen sein wird. Aber noch wichtiger scheint die dabei unmissverständlich zu Tage tretende Erfahrung zu sein, dass der Zugang zu Gott, zur absoluten Realität und damit zur Wahrheit, von dem Willen zur Wahrheit und Realität auch auf dem uns beschäftigenden Gebiet abhängt. Also von weiser rationaler Problemlösung statt diffusem emotionalem Konsens. Einige Ergebnisse des Forschungsprojektes sind in dem Aufsatz Religionsphilosophie zu Erotik und Spiritualität verarbeitet.

Vom Glauben zum Wissen: Literaturportal

Systematik der Theologie

Am Ende des Menus zur Religionsphilosophie sagten wir: Unsere fachübergreifenden Analysen und persönlichen Erfahrungen führen uns an die Schwelle von "Bereichen, die eine höherstufige Zugangsberechtigung erfordern. Diese lautet: Crede ut intelligas Vom Glauben zum Wissen. Der Zugang zu den Bereichen, in denen wir uns bisher bewegten, erfolgte hingegen mit der Devise: Intellige ut credas Vom Wissen zum Glauben." In diesem Abschnitt stellen wir uns dieser Herausforderung.

Im Unterschied zu den vorhergehenden Menus unter Einschluss der Religionsphilosophie werden wir zur Theologie allerdings keine systematischen Skripte oder Abhandlungen vorlegen. Der Grund ist, dass akademisch oder autodidaktisch gebildete Leser, die sich mit den Disziplinen dieser Menus vertraut gemacht haben, ohne weiteres an den Punkt gelangt sind, normative Quellenschriften, klassische Handbücher und wichtige Aufsätze der Theologie mit Einsicht und Gewinn zur Hand zu nehmen, sofern keine sprachlichen Barrieren bestehen. Wir brauchen hier nicht das Rad neu erfinden oder Eulen nach Athen tragen.

Unsere Tätigkeit wird sich deswegen darauf beschränken, u.U. Interessierten bei der Auswahl erstrangig einschlägiger und substantieller Literatur behilflich zu sein und, wo nötig oder hilfreich, eine erste kurze Orientierung zu geben. Wenn und wo dies der Fall sein sollte, folgt die Gliederung der Literaturhinweise der etablierten Ordnung der theologischen Fächer, deren Detailgliederung freilich je nach Autor und Hintergrund unterschiedlich ausfällt. Wir verwenden die folgende Einteilung:

(I) Biblische Theologie

(II) Historische Theologie

(III) Systematische Theologie [Fundamentaltheologie Dogmatik Theologische Ethik / Moraltheologie]

(IV) Praktische Theologie [Liturgik Kirchenrecht Aszetik Pastoraltheologie]

Geschichte der Theologie

Experten und Dilettanten

Allerdings scheint vorab ein professioneller Überblick über die Geschichte der Theologie und ihre erstrangigigen und klassischen Vertreter nützlich. Dass es sinnvoll ist, sich mit den Klassikern zu beschäftigen und zwar sinnvoller als mit Autoren des 19./20 Jh., dazu folgende Erinnerung. Der Kantforscher und langjährige Mitherausgeber der Kant-Studien Joachim Kopper (19252013) war über Jahrzehnte eine prägende Gestalt im Fach Philosophie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und an der Université de Bourgogne in Dijon. Im Wintersemester 1992/93 hielt er ein Hauptseminar zu John Lockes Essay concerning Human Unterstanding. Es blieb mir vor allem wegen eines engagierten, ja zornigen Exkurses in Erinnerung. Dieser betraf die Qualität der universitären Bildung vor und nach dem großen Traditionsbruch in der Säkularisation und zuvor schon im Protestantismus (Kopper war selbst meines Wissens Protestant). Nachdem er an einigen Beispielen Lockes Erkenntnistheorie als verschwommen und widersprüchlich dargestellt hatte, sagte er:

„Was sich hier zeigt, ist ein Symptom für die allgemeine Lage. Was wir hier machen, ist Stümperei. Wir sind alle Dilettanten. Wir beschäftigen uns ein paar Semester einige Stunden die Woche mit einigen Texten zu verschiedenen philosophischen Disziplinen – oberflächlich und ohne Zusammenhang. Und nennen uns dann Experten. Das ist doch lächerlich. Wenn wir wirklich Experten sehen wollen, und ein professionelles akademisches Bildungssystem, müssen wir zu den Scholastikern und wissenschaftlich orientierten Orden des Mittelalters und der frühen Neuzeit gehen. Diese Leute haben sich in exklusiver Konzentration auf die Wissenschaft während Jahren in den Artes Liberales universell gebildet und sich dann wieder viele Jahre exklusiv Tag für Tag in Studium und Disputation in ihrem Spezialgebiet ausgebildet. Das Ganze unterstützt durch konsequente Aszese und spirituelle Sammlung. Was sie dann zu sagen hatten, hatte Gewicht. Das waren wirkliche Experten.“

Koppers meistgeschätzter Denker war übrigens Bernhard von Clairvaux, der Verfechter eines gleichermaßen Kopf und Herz formenden Bildungsprogramms.

Wissenschaftskultur der messianischen Ära

Nun, wenn wir Koppers Forderung Ernst nehmen und ihr nachkommen wollen, gibt es wahrscheinlich keinen besseren Leitfaden als den Kölner Theologen Matthias Joseph Scheeben (18351888). Es wurde bereits anderenorts gesagt: Nicht wenige halten ihn für einen der bedeutendsten Theologen der Moderne. Seine in Rom erworbene souveräne Kenntnis der griechischen und lateinischen Väter des ersten christlichen Jahrtausends und sowie der Scholastik des zweiten Jahrtausends ist legendär. Man hat öfters angemerkt, dass Scheebens Sozialisation, Antrieb und spekulative Kraft ansonsten dem Deutschen Idealismus und der Romantik nahestehen. Scheeben hat seiner Theologischen Erkenntnislehre [Dogmatik I, Freiburg 21948, 447489] eine als klassisch geltende Geschichte der Theologie beigegeben, die mehrfach übersetzt wurde.

Er hebt drei Glanzperioden der philosophischen, juristischen und theologischen Wissenschaftskultur der Ära des Christentums hervor: in der Antike das 4./5. Jh., im Mittelalter das 12./13. Jh. und in der Neuzeit das 16./17. Jh. An ihnen kann so Scheeben die epochenübergreifende spirituelle und intellektuelle Ausnahmestellung der messianischen Zivilisation besonders gut abgelesen werden. Es gibt in der Geschichte der Menschheit auch nach meinem Kenntnisstand keine wirklich vergleichbaren Leistungen. Sie deklassieren nach Quantität und Qualität alles, was sich im Alten Orient und in der griechisch-römischen vorchristlichen Antike findet, und bei weitem die wissenschaftliche Produktion Indiens und Chinas. Auch die arabische Scholastik des 9. bis 11./12. Jh. blieb eine kurze und dann vom Islam für immer geächtete Episode, deren Träger mehrheitlich im arabischen Machtbereich lebende syrische und griechische Gelehrte christlicher Herkunft waren. Sonstige potentielle Mitbewerber in anderen Epochen und Kulturen gibt es nicht. Der Pionier der interkulturellen Philosophiegeschichtsschreibung Kurt Schilling (Weltgeschichte der Philosophie, Berlin 22006) machte hierzu eine doppelte aufschlussreiche Beobachtung, wie mir seine Lektorin einmal mitteilte. Einmal die, dass bis zur Mitte des 20. Jh. die philosophischen und theologischen Systeme Indiens und des Fernen Ostens praktisch nur historisch-philologisch und nicht systematisch aufgearbeitet worden waren. Hier sah er eine wichtige Herausforderung für sich. Aber er realisierte dies die zweite Beobachtung , dass die philosophisch-theologischen Produktionen des Ostens letztlich systematisch keinen Vergleich mit der Exzellenz der griechisch-römisch-germanischen Zivilisation aushalten.

Der Zenit der Theologie: 15701660

Scheeben akzentuiert besonders die Epoche von 1570 bis 1660 als eine „Blütezeit …, welche an Reichtum und Mannigfaltigkeit der Leistungen in der Kirchengeschichte nicht ihresgleichen hat“ (Scheeben 1948, 474). Das innovative Laboratorium hierfür war die Gesellschaft Jesu, die „das gelehrte Schriftstudium zur höchsten Vollkommenheit“ entwickelte (ebd. 475): „Den Reigen der großen Exegeten eröffnet Alfonso Salmerón S.J. (15151585) mit seiner riesenhaften Arbeit über das NT (15 Bde. Fol.)“ (ebd.) Sein systematisch und historisch arbeitender Ordenskollege Robert Bellarmin (15421621) war europaweit ein so singuläres Gravitationszentrum, dass man sich in protestantischen Ländern nicht anders zu helfen wusste, als die Lektüre seiner Schriften zu verbieten und eigene Lehrstühle gegen ihn einzurichten. Er ist auch der virtuelle Hauptgesprächspartner bzw. Gegner für Thomas Hobbes. Sein Weltruhm verdankt sich besonders den Disputationes de rebus fidei in hoc tempore controversi. Sie sind nach Umfang und Tiefgang bis heute der Standard zur Evaluation des Protestantismus.

Gregor von Valencia (15501603), ein weiterer Ordenskollege der oben Genannten begründet das außerordentliche, weltweite Prestige der Universität Ingolstadt (heute: LMU München) durch klassische Monographien und die Kommentierung der Summa theologiae Thomas von Aquins. Er ist ein Vordenker der modernen, (i) biblische Exegese, (ii) historische patristische Evaluation und (iii) logische Analyse und Synthese integrierenden Theologie in (iv) klassischem sprachlichem Gewand. In der nächsten Generation stabilisiert Adam Tanner (15721632) dieses Niveau mit der Theologia scholastica, einem „Werk ersten Ranges“ (Scheeben). Thomas Stapleton (15351598) leistete Vergleichbares an der Universität Löwen und legte die die bis heute gründlichste Analyse des Glaubens und der Rechtfertigung vor. Scheeben: „Die spekulative systematische Theologie“ nahm neben der Exegese und Geschichte einen „eben so großartigen Aufschwung“, daß die Leistungen dieser Epoche „an Mannigfaltigkeit, Allseitigkeit und Umfang“ die des 13. Jh. „übertreffen“ (477). Wir beobachten auch in der Handlungstheorie, Ethik und Moraltheologie eine „ungeheure geistige Kraft und Energie, welche besonders die erste Hälfte unserer Epoche auszeichnet“ (477).

Odysseus' Schlusswort in Wolfgang Petersens Troja, einem theologisch und moralisch ansonsten zwiespältigen Film, ist geeignet, in leichter Abwandlung auch das Lebensgefühl jener zu treffen, die in Studium und Meditation Zeugen o.g. Heroen des Geistes bzw. ihrer Werke und Kämpfe sind: „Erzählt man jemals meine Geschichte soll man sagen, ich ging meinen Weg mit Giganten. Menschen vergehen wie des Winters Weizen, doch diese Namen vergehen nie! Man soll sagen, ich lebte zu Zeiten des Messias, in der Zivilisation der Exzellenz. Man soll sagen, ich lebte zu Zeiten seiner Propheten, Weisen und Schriftgelehrten.“

Salbung des Geistes

Dazu kommt eine Beobachtung und Tatsache, die bei Scheeben nicht eigens herausgestellt ist: Theologische Werke und sonstige spirituelle Schriften vor ca. 1800 atmen im Allgemeinen einen Geist, der belebt und stärkt, aufbaut und ins Weite führt. Sie haben das, was die Tradition Salbung des Geistes genannt hat. Oder was in den Paulusbriefen als Worte von Geist und Leben bezeichnet wird. In den theologischen Buchproduktionen des 19./20. Jh. ist nur noch in der ersten Hälfte des 19. Jh. ein Nachglanz dieser suaviter ac fortiter, zugleich sanft und stark einwirkenden Aura da, danach nicht mehr. Sie wirken selbst im Falle völliger theologischer Korrektheit wie kalte Stahlstiche, während die Produktionen der Tradition als beseelte Ikonen zu uns sprechen. Die Theologie spiegelt hier teils verschuldet teils schicksalshaft den apostatischen Zeitgeist.

Sonnenfinsternis

Der meistdiskutierte Kunsthistoriker der Moderne, Hans Sedlmayr, hat in diesem Zusammenhang in dem Aufsatz 'Der Tod des Lichtes' Adalbert Stifters Schilderung der Phasen einer totalen Sonnenfinsternis am 08.07.1842 aufgegriffen, "die auch sprachlich zu dem Bedeutungsvollsten ... der deutschen Prosa" gehört. "Weil die Verfinsterung der äußeren und der inneren Sonne ähnliches bewirkt und weil die Kunst [und Literatur] ... Spiegel solcher inneren Ereignisse ist" (s.u., a.a.O. 1314), verwendet er Stifters Schilderung als Allegorie der "Verfinsterung des Geistes und der Herzen" in den aufeinander folgenden Phasen des gesellschaftlichen Bewusstseins seit ca. 1760 bis heute. Also seit der Apostasie des Westens von der messianischen Zivilisation und ihrer geistigen Zentralsonne Christus. Von dieser Apostasie sagte Gregor XVI in dem Rundschreiben Mirari vos 1832 die klassisch gewordenen Worte: „‚Jetzt ist die Stunde für die Mächte der Finsternis, um die Kinder der Auserwählung zu sieben wie den Weizen‘ (Lukas 22, 53). ‚Wahrlich, es trauerte die Erde, und sie zerfloß in Tränen ... geschändet von ihren Bewohnern, da sie die Gesetze überschritten, das Recht beugten, das ewige Bündnis zerbrachen.‘ (Jesaja 24, 5)“

Stifter und Sedlmayr unterscheiden auf der natürlichen resp. symbolischen Ebene drei Phasen: (I) Ersterben des natürlichen und kulturellen Kosmos (II) Apokalyptische Hyperaktivität eines surrealen Chaos (III) Wiederkehr des Lichtes und des Kosmos. Kennzeichnende Züge der dem Rationalismus, Klassizismus, Biedermeier und Historismus des 18./19. Jh. entsprechenden Phase I sind: (i) "Fremdwerden der vertrauten Welt" (ii) "Verblassen und sich Entfärben" (iii) "Die Welt wird starr und schwer" (iv) "Seltsame Ruhe" (v) "Seltsame Leere" (vi) "Trauer und Totenstille". Die dem Expressionismus, Surrealismus und den antichristlichen Eruptionen und Weltuntergangsszenarios des 20. Jh. entsprechende Phase II hat diese Züge: (i) "Furchtbare Kraft und Gewalt der Bewegung" (ii) "Furchtbare Gewalt der Farben" (iii) "Das zugleich Zauberhafte und Furchtbare des Glanzes" (iv) "Der Mensch aber wird zum Gespenst" (v) "Heftigste innere Bewegungen" in der Perspektive des Jüngsten Tages, des Dies irae. Der Aufsatz Sedlmayrs wurde oft gedruckt, u.a. in Der Tod des Lichtes, Salzburg 1964, 917. Wer will, kann bekanntlich auch Nietzsche oder Dostojewski als Kronzeugen für diese Sicht der Zusammenhänge anführen. 

Wir geben eine Skizze der Übersicht Scheebens, die wir abgesehen von kurzen Seitenblicken lediglich durch einen Anhang ergänzen: Theologen als Moderatoren der Modernisierung und Dynamisierung Chinas und Amerikas.

Vom Wissen zum Handeln: Exzellenzstrategie

Schlüsselfunktion theologischer Exzellenz

Akademisch gebildete oder interessierte Leser kennen das seit 2005/06 seitens der deutschen Politik aufgelegte Programm zur Steigerung der Leistung und Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen. Es firmiert unter "Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen". Ab 2017/2018 wird das Programm dauerhaft unter dem Namen "Exzellenzstrategie" fortgesetzt. Bestandteile sind sog. "Exzellenzkomplexe oder -cluster" und "Graduiertenschulen". Das dritte und anspruchsvollste Element aber sind die "Zukunftskonzepte", d.h. Agenden zur strategischen Entwicklung der Universitäten.

Nun haben wir bereits auf der Leitseite unsere Skepsis begründet, dass Anspruch und Wirklichkeit im gegenwärtigen Bildungssystem in der Regel weit auseinanderklaffen. Namentlich gilt dies für das Orientierungswissen des Studium generale, und zwar in der gesamten westlichen Welt. Dass diese Skepsis auch in Bezug auf die in Rede stehende Exzellenzinitiative berechtigt ist, zeigt die Feststellung Hubert Markls, 19962002 Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, dass nur die "zeitgeistschlüpfrigsten Anträge" Chancen auf Anerkennung und Förderung hätten (G. Turner: Exzellenz und was sonst? In: Handelsblatt, 19.06.2012).

Im Rückblick auf die interdisziplinären Auswertungen dieses Netzportals treten vor unser geistiges Auge ferner viele Daten und Erfahrungen, die in folgender Einsicht zusammenlaufen: Die in Rede stehende Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Bildungswesen, aber auch sonst, kann nur überbrückt und geschlossen werden, wenn die Einstellung zur Spiritualität, Transzendenz, Religion, Theologie geklärt, realitätsdicht und intakt ist.

Deswegen scheint es, dass hier die Grundlagen und Energien für Exzellenz und Erfolg liegen. Und dass eine inspirierende und durchschlagende Exzellenzstrategie den Ausgangspunkt in der Theologie nehmen muss.

Schließlich und endlich ergibt sich aus unseren Untersuchungen, dass auch dieser Ausgangspunkt der Theologie um das Wort Markls noch einmal zu bemühen in ihrem gegenwärtigen Hauptstrom zeitgeistschlüpfrig und damit kindisch und verwahrlost erscheint. Wir haben das im Grundsätzlichen bereits geklärt.

Was aber aussteht, ist ein arbeitsfähiges Zukunftskonzept zur strategischen Entwicklung der Theologie und Religion - als der unverzichtbaren Basis für alle anderen Exzellenzinitiativen und Zukunftskonzepte in Wissenschaft, Recht, Kultur und Politik. Voraussetzung und erster Schritt eines solchen Zukunftskonzeptes ist die Vermessung des Feldes der Religion und seine Erschließung für das Zeitbewusstsein, was mit diesem Netzportal vorliegt.

Der zweite Schritt eines solchen Zukunftskonzeptes ist ein detailliertes Reformprogramm zur Aktualisierung der virtuell stets gegebenen Hegemonie der messianischen Zivilisation. Diese Aktualisierung geschieht durch den zielbewussten und unbedingten Willen zur Maximierung der spirituellen, intellektuellen und politischen performance. Sie geschieht zweitens durch Optimierung der Erziehung (Paideia der klassischen Zivilisation), als deren Stufen Kant Disziplinierung, Kultivierung, Zivilisierung und Moralisierung nennt (AA IX, 449450, 483485). Sie geschieht drittens durch Regeln zur vernunftgesteuerten Ordnung des Lebens der Erwachsenenwelt (Koordinatensystem der praktischen Vernunft der aristotelischen, thomistischen und auch kantischen Ethik), ohne sich von einer Regung, die ungeordnet wäre, bestimmen zu lassen (Ignatianische Exerzitien, Kants Methodenlehre der Kritik der praktischen Vernunft).

Wenn und wann dies tunlich erscheint, werden wir ein solches detailliertes Reformprogramm vorlegen. Die Verhältnisse legen dies bis dato nicht nahe. Allerdings soll in Folge unter dem Titel 'Quellen der Exzellenz' angegeben werden, wo Interessierte diesbezüglich fündig werden. 

Quellen der Exzellenz

Drei relevante Traditionen

 

Im Blick auf die Definition theologischer Exzellenz sollte man sich vorab die erstrangigen und bewährten Quellen von Exzellenz überhaupt vergegenwärtigen. Bei einer interkulturellen und interepochalen Bestandsaufnahme im globalen Maßstab ergeben sich hierfür drei relevante Traditionen und eine Zivilisation, in welcher diese Traditionen verschmolzen und verkörpert sind. Diese drei Traditionen stehen für (i) theoretische, wissenschaftliche Exzellenz, (ii) praktische, lebensweltliche Exzellenz und (iii) transzendente, spirituelle Exzellenz. Die drei Traditionen formulieren definitive Antworten der Menschheitsgeschichte auf die drei zentralen Fragen der Philosophie: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? (Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft B 832833)

 

Zeitenwende als Wendezeit

 

Für die letztgenannten Fragen und Antworten ist die Zeitenwende eine Wendezeit. Ein Charakteristikum der Zeitenwende ist die auf allen Gebieten erreichte formale Exzellenz der menschlichen Zivilisation. Damit will gesagt sein, dass die damals in der griechisch-römischen Kultur erarbeitete Theorie und Praxis der Staatsverfassung, des Rechtes, der Wissenschaften, der Künste und Techniken bis heute als Standard, als klassisch gelten. Das betrifft Logik, Mathematik, Ethik, Poetik und Rhetorik genau so wie Rechtswissenschaft, Politik, Verwaltung, Finanzwissenschaft, Militärwesen, Agrikultur und Architektur sowie Physik, Biologie, Medizin, Geschichtswissenschaft, Literaturwissenschaft. Natürlich betrifft dies auch und ganz besonders die Religion: Das religiöse Koordinatensystem unserer Zivilisation sind die klassischen Texte und Riten des Alten und Neuen Testamentes.

 

Weltzivilisation

 

Ein weiteres Charakteristikum der Zeitenwende ist, dass diese Zivilisation eine globale wird. Durch die griechische Expansion nach Asien seit Alexander dem Großen wird sie zur beherrschenden Macht in Vorderasien, Innerasien und Indien. In wichtigen Rücksichten wird sie sogar bis in den Fernen Osten zur Leitkultur. Ein Beleg ist der sog. Graeco-Buddhismus, der während 800 Jahren die Entwicklung des Mahayana-Buddhismus beeinflusste und dessen Grundlage bildet. Ab der Spätantike wurde diese hellenisierte Form des Buddhismus in China, Korea und Japan maßgeblich und übte großen Einfluss auf Kunst und Kultur aus, einschließlich der Philosophie und Ethik des Zen. Dazu gehört auch die griechisch-indische Gandhara-Kunst, die Stilempfinden und Kunstproduktion Süd- und Ostasiens entscheidend prägte. Dasselbe gilt von der römischen Expansion nach Mittel-, West- und Osteuropa sowie Afrika. Wir haben also um Christi Geburt eine im Wesentlichen ganz Europa, Afrika und Asien erfassende Weltzivilisation, eine antike Globalisierung.

 

Theoretische, wissenschaftliche Exzellenz

 

Quelle und Referenz theoretischer, wissenschaftlicher Exzellenz ist die Wissenschaftskultur der klassischen griechischen Zivilisation. Ultimative interdisziplinäre Verkörperung dieser Wissenschaftskultur ist Aristoteles, der die Behandlung der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen (Biologie, Psychologie, Logik, Metaphysik, Politik …) in der Regel mit einem wissenschaftsgeschichtlichen Überblick über die bisherigen Versuche auf dem jeweiligen Gebiet beginnt. Das Fazit ist immer, dass die Vorgänger allenfalls richtige Teilgesichtspunkte geltend gemacht haben, ansonsten aber so stümperhaft und unsystematisch sind, dass man sie nicht wirklich Ernst nehmen kann. Und außerhalb der griechischen Bildungswelt herrscht im Blick auf diese Wissenschaften nicht aber hinsichtlich Spiritualität, Religion und Theologie für Aristoteles sowieso blanke Ignoranz und Barbarei. Der bekannte innovative Logiker und Kognitionswissenschaftler Gotthard Günther beschäftigte sich lange und ernsthaft mit der außereuropäischen Wissenschaftskultur Indiens und des Fernen Ostens (Brahmanismus, Taoismus). Er erhoffte sich wesentliche Impulse für seinen geistigen bzw. wissenschaftlichen Horizont. Er wandte sich jedoch schließlich von diesen Studien wieder ab, da er sie insgesamt als unergiebig beurteilte. Die indische und fernöstliche Logik, Wissenschaft und Philosophie erreicht, so Günther, bei weitem nicht das kritische Problembewusstein, die rationale Klarheit und Systematik europäischen Denkens, sondern wirkt oft unpräzise.

 

Praktische, lebensweltliche Exzellenz

 

Quelle und Referenz für praktische, lebensweltliche, politisch-rechtliche Exzellenz und Sozialkompetenz ist die Römische Kultur. Verfassung, Recht, Gemeinschaftsleben und Staatstheorie sind ihre singulären Stärken. Alles, was sich außerhalb des Römischen Rechtsraumes findet, ist hier im Grunde unmaßgeblich und infantil, so der interdisziplinär gebildetste Römische Denker und Staatsmann Cicero in De Oratore: In Sachen Recht, Politik und Geschichte können Römer nicht anders als Stolz und Liebe für ein Vaterland zu empfinden, „welches unter allen Ländern der erste Sitz männlicher Leistungsfähigkeit, Führungskompetenz und Würde ist“. Folgerichtig „müssen uns von ihm vor allem sein Geist, seine Sitten und seine Verfassung bekannt sein, teils weil es unser aller Mutter ist, teils weil wir anerkennen müssen, dass seine Weisheit sich in der Feststellung des Rechtes wie in der Gründung der so großen Macht unserer Herrschaft gleich groß erwiesen hat.“ (De Oratore, Buch I, 196) Ganz besonders gilt dies für Gesetzgebung und Rechtsprechung: „Die großen Vorzüge unserer Vorfahren in der Staatsklugheit vor anderen Völkern sind dann am leichtesten einzusehen, wenn man unsere Gesetze mit denen eines Lykurgos [Urheber der Verfassung Spartas] und Solon [Urheber der Verfassung Athens] vergleicht. Denn es ist unglaublich, wie das bürgerliche Recht überall außer bei uns ungeordnet und, ich möchte fast sagen, lächerlich ist. Ich sage deswegen in meinen täglichen Unterhaltungen oft, dass ich unseren Landsleuten in der Staatsklugheit vor allen anderen und besonders vor den Griechen den Vorzug gebe.“ (ebd. 197)

 

Spirituelle, ethische Exzellenz

 

Quelle und Referenz für spirituelle und ethische Exzellenz ist die messianische Zivilisation des prophetischen Theismus. Augustinus' De civitate dei (Vom Gottesstaat, 413426 n. C.), v.a. in den Büchern 110, ist die umfassendste, detaillierteste und reflektierteste wissenschaftliche Darstellung und Kritik der römisch-griechischen und überhaupt indogermanischen Götterwelt in Theorie und Praxis, durch den vielleicht brillantesten Analytiker der antiken Zivilisation. Sie verbindet unmittelbares persönliches Erleben derselben mit Aufarbeitung aller wichtigen religionsphilosophischen Autoren der Antike unter durchgängiger Konfrontation mit dem prophetischen Theismus des alt- und neutestamentlichen Israel. Die Bücher 1122 thematisieren darüber hinaus in entsprechender Weise summarisch die orientalischen und afrikanischen resp. ägyptischen Religionen und Kulturen. Sein Fazit ist, dass außerhalb der messianischen Zivilisation dämonischer, unmoralischer Götzendienst und barbarisches Heidentum das religiöse Feld beherrschen. Sein Urteil ist erfahrungsgesättigt. Aurelius Augustinus (354430) erprobte theoretisch wie praktisch die wichtigsten Konzeptionen eines glücklichen Lebens wie Hedonismus (Sinnenfreude), Wissenschaft (Erkenntnis), Karriere (Macht), Skepsis (Resignation) in unterschiedlichen Philosophien bzw. Religionen (Epikureische Lebensphilosophie, Akademischer [spätplatonischer] Skeptizismus, Ciceronianischer Stoizismus, Dualistischer Manichäismus, Idealistischer Neuplatonismus). Seine Selbstbekenntnisse bilanzieren ein Scheitern der Suche nach Erfüllung auf dem Weg dieser Einstellungen und Philosophien. Sein Denk- und Lebensweg auf der Suche nach dem glücklichen Leben (Eudaimonie) mündete im vierten Lebensjahrzehnt in den prophetischen Monotheismus des neutestamentlichen Israel, in welchem er bekannte, dieses Glück gefunden zu haben.

 

Die Zivilisation der Exzellenz

 

Wir sagten oben: Die angesprochenen drei Traditionen der Exzellenz verschmelzen und sind verkörpert in einer Zivilisation. Diese Zivilisation ist die messianische Zivilisation der Globalen oder Katholischen Weltkirche in Verbindung mit dem globalen Rechtsraum des seit 380 n. C. christlichen oder wie die spätere Formel lautet Heiligen Römischen Reiches. Es ist allgemein bekannt und anerkannt, dass seit der Spätantike hier und nur hier griechische Wissenschaft, römisches Recht und prophetische Offenbarungsreligion zu einer Zivilisation der Exzellenz fusionieren. Sie ist die regelmäßig und so auch heute von barbarischen Aufständen und mafiöser Unterwanderung angegriffene globale Leitkultur. Diesen Sachverhalt veranschaulicht nach der Zeitenwende das bis heute maßgebliche Bildprogramm des Apsismosaikes der Basilika St. Pudentiana, der ältesten Kirche der Erde in der antiken Welthauptstadt Rom, in Antike und Mittelalter das erste Ziel der Romfahrer. Das Bild porträtiert den Messias alias die absolute Vernunft (Weisheit, Logos Gottes) als Lehrer der Philosophie und Moderator der menschlichen Zivilisation. Das messianische Reich so die Botschaft zielt auf Bildung und Ethik von ultimativer humaner und transhumaner Realitätsdichte sowie auf deren effektive globale Umsetzung. Das Bildprogramm ist die seit 391 n. C. in Weltanschauung, Bildung, Ethik und Recht offiziell das Christentum verkörpernde römische Weltzivilisation: Das Mosaik zeigt sie als Organ der aus der Transzendenz kommenden Stadt Gottes, des neuen Jerusalem, d.h. der "einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche" (Glaubensformel von 325 n. C.). Umgeben vom Senat der Apostel in Senatorentoga, insbesondere den mit dem Siegeslorbeer bekränzten Apostelfürsten Petrus und Paulus, erscheint der Messias in goldener Toga als philosophischer Lehrer im nahöstlichen, möglicherweise portraitechten Typus. Sein Lehrstuhl ist der kaiserliche Thron des Weltherrschers (Pantokrator). Er verwirklicht das platonische Ideal des Philosophenkönigs, hinter sich das Kreuz als integraler Bestandteil theoretischer und praktischer Vernunft angesichts der misère de la condition humaine. Oder in den Worten Schopenhauers: Philosophie ohne Aszetik bzw. Kreuzeswissenschaft ist Windbeutelei.

 

Wir haben in anderem Zusammenhang die folgenden Eckdaten zum Selbstverständnis der messianischen oder christlichen Zivilisation formuliert, die das Gesagte systematisch verdeutlichen. Es sind diese: (1) Gott schafft und erhält das Universum. (2) Der Sinn des Lebens ist die Erkenntnis und Anerkennung Gottes. (3) Gottesfurcht ist die Bedingung von Intelligenz, Erfolg und Glück. (4) Das Böse Gottlosigkeit, Dummheit, Ungerechtigkeit, Schwäche, Gier – gewann in der Geschichte zunehmende Macht über die Menschen. (5) Jesus Christus ist der Messias, d.h. der Erlöser oder Befreier aus dem Bann des Bösen und Geber ewigen Lebens. (6) Christen sind ontologisch Gottessöhne und ethisch Propheten und transzendieren als spirituelle Spezies die animalische Menschheit von homo sapiens (Matthäusevangelium 5, 12.45). (7) Christen sind als kognitive und moralische Elite „Licht der Welt“ und „Salz der Erde“ (ebd. 5, 1314). (8) Das Christentum ist das Israel Gottes: Seine Mission ist die Spiritualisierung der Völker der Erde und die Verwirklichung der idealen menschlichen Gemeinschaft rechtschaffener Nationen, mit dem Ziel, den Namen des Herrn anzurufen und ihm zu dienen. (9) Das Christentum ist die größte und definitive Religion der Erde und die neue ideale Ära. (10) Die ideale messianische Ära des Christentums generiert auf allen Gebieten der Lebenswelt überlegene, ultimative Leistungsfähigkeit und definiert in Wissenschaft, Ethik, Recht, Politik, Technik, Kunst, Architektur und Musik die globalen Standards.

Wir zitieren hierzu ebenfalls noch einmal den Kölner Theologen Matthias Joseph Scheeben (18351888). Er hat ein klassisches Textbuch für dieses Profil der messianischen Ära verfasst: Die Mysterien des Christentums. Wesen, Bedeutung und Zusammenhang derselben, nach der in ihrem übernatürlichen Charakter gegebenen Perspektive dargestellt. [Erhältlich u.a. als Band II der von Josef Höfer herausgegebenen Gesammelten Schriften, 2. Aufl. Freiburg 1951]. Wir sagten bereits oben: Scheebens Sozialisation, Antrieb und spekulative Kraft stehen ansonsten dem Deutschen Idealismus und der Romantik nahe. In dieser Perspektive sind die Mysterien des Christentums eine monumentale Metaphysik der Übernatur, die als Kritik und System der theologischen Vernunft angesprochen werden kann.

Die biblisch, patristisch und scholastisch umfassend untermauerte Kernaussage des Werkes ist zugleich der Zentralinhalt des Christentums. Es ist diese: Menschen erhalten durch die Taufe und den Glauben an den Messias Jesus Christus nicht nur Vergebung der Sünden, sondern göttliches Leben und göttliche Würde. Dies nicht nur im bildlichen Sinn oder per äußerer Adoption, sondern als reale Söhne und Töchter Gottes. Denn der Messias ist einerseits der neue Anfang und das neue Haupt der menschlichen Gattung. Und andererseits bedeutet Messias oder Christus ‚Gesalbter‘, d.h. mit der Gottheit gesalbter Mensch oder Gottmensch und Sohn Gottes par excellence. Deswegen ist auch der Name der Glieder des messianischen Reiches Christen, d.h. ‚Gesalbte‘. In und durch den Messias, den Gesalbten par excellence, sind sie ebenfalls mit der Gottheit gesalbt. Sie sind in ontologischer Hinsicht Götter und Göttinen. Und sie sind in moralischer Hinsicht Propheten, Könige und Priester. Der Geist Gottes ist ihr Geist. Der Glanz und die Herrlichkeit ihres rechtschaffenen und spirituellen Lebens ist der Sinn der Erde und das Licht für die Welt. Der Messias macht sie zu Säulen seiner Kirche und zu Herrschern über die Nationen. 

 

Der Kernbegriff der Messiasbiographien alias Evangelien ist dementsprechend das "Reich Gottes" (Markus 1, 15) als "fundamentale Zeitenwende" (ebd.) und Lebensraum der Erlösung oder ganzheitlichen Gesundung und Optimierung. Es ist eine Neue Weltordnung. Repräsentativ für dieses Selbstverständnis ist etwa der folgende axiomatische Leitsatz aus einer bekannten Grundsatzerklärung der Römischen Kirche zum atheistischen Kommunismus: "Durch ihn [= Jesus Christus] wurde eine neue universale Weltordnung begründet, die christliche Kultur, unvergleichlich höher als jene, die der Mensch bis dahin mit Mühe und nur in einigen wenigen bevorzugten Nationen erreicht hatte [... Sie ist] die einzig wahre menschliche Zivilisation." (Pius XI: Divini Redemptoris, 19.03.1937)

 

Diese Aussage ist realitätsdicht: Die 814 Stätten des Weltkulturerbes der Unesco (Stand 07/2016) verkörpern "die besten unter den herausragenden Zeugnissen der Menschheitsgeschichte" (www.unesco-welterbe.de). Die weit überwältigende Mehrheit dieser "wunderbarsten Stätten der Geschichte" (ebd.) zählen zur messianischen Zivilisation des Christentums: 554 Stätten oder 68 % bzw. nahezu Dreiviertel des Welterbes. Wenn man Bedeutung, Anziehungskraft und Besucherzahlen dieser Brennpunkte der messianischen Zivilisation hinzunimmt, tritt ihr außergewöhnlicher Rang noch unübersehbarer ins Relief. Die Mehrzahl hiervon oder 343 Orte sind Dome und Gotteshäuser sowie sonstige spirituelle Zentren wie Klosterkomplexe, aber auch Paläste, Innenstädte und Kulturräume von tatsächlich oft unaussprechlicher Anmut und Würde: materialisierter Glaube und Wille der Gottgesalbten alias Christen der neuen idealen Ära. Allein und bereits das Rom der Antike und "der Hochrenaissance und des Barock" ist als "Mitte der ... Christenheit" zugleich Weltkulturerbe Nr. 1 und "das Zentrum der ... Kunst, ... von Goethe als Hauptstadt der Welt gepriesen." (A. Henze: Reclams Kunstführer Italien V. Rom und Latium, Stuttgart 1962, 11)

 

Von analoger „universeller Bedeutung“ als „eines der großen Vorbilder religiöser Architektur“ (Unesco) ist das erste Weltkulturerbe Deutschlands (1978), der Kaiserdom zu Aachen [Bild links], erbaut 795803 von Kaiser Karl dem Großen. In der strategischen Planung des politischen Moderators Europas ist er in Verbindung mit dem Regierungspalast der Kaiserpfalz und der Eliteakademie der Hofschule inkl. einer Zentralbibliothek das politische, wissenschaftliche und spirituelle Zentrum des Frankenreiches und die Krönungskirche der zukünftigen Staatslenker: 30 Könige Deutschlands übernehmen hier ihr Amt. Die hier entwickelte Schriftreform der Karolingischen Minuskel ist Grundlage aller europäischen Schriften Aachener_Dom_Oktogon_Soerfm_CC_BY_SA_3.0und Norm der globalen modernen Schriftkultur. Der oktogonale Zentralbau, eine auch technische Spitzenleistung, ist die bedeutendste Sakralarchitektur der Epoche nördlich der Alpen. Sie stellt eine Jahrtausende übergreifende Synthese der griechisch-römisch-christlichen Zivilisation der Exzellenz dar: Sie ist im Großen wie im Einzelnen das Symbol der Kontinuität des christlichen römischen Reiches zwischen dem antiken Rom und dem von Karl dem Großen als zweites Rom geplanten Aachen, entsprechend dem von Konstantin dem Großen 330 n. C. als zweites Rom geplanten Konstantinopel. Die Konzeption ist inspiriert von den oströmischen oktogonalen Kaiserdomen Justinians: Kleine Hagia Sophia in Konstantinopel (527/33) und San Vitale in Ravenna (547). Der Bau ruht auf römischen Fundamenten und Vorgängerbauten, verwendet vorgefertigte antike Baumaterialien (Säulen etc.) aus Rom, Ravenna, Griechenland und Ägypten, integriert zahlreiche antike Kunstwerke, und der marmorne Königsthron Karls des Großen und aller Könige Deutschlands besteht aus Elementen der Grabeskirche in Jerusalem. Zahlen, Maße und Proportionen des Gebäudes entsprechen dem Himmlischen Jerusalem der Apokalypse.

 

Die deutschen Regierungsoberhäupter haben die offizielle Hauptkirche des Reiches durch Marmorverkleidungen, Mosaiken und Wand- und Glasmalereien fortlaufend architektonisch bereichert und durch Ausstattungsstücke der Superlative ästhetisch optimiert. So Kaiser Otto III. 1020 durch eine goldene Altartafel (Pala d'Oro) mit Christus als Weltherrscher in der Mandorla, begleitet von der Gottesmutter Maria und dem Erzengel Michael sowie vier Rundmedaillons mit den Evangelistensymbolen und zehn Relieftafeln mit einem Zyklus zur Leidensgeschichte des Messias und Gottesknechtes. 1002/14 stiftete Kaiser Heinrich II. den erstrangige byzantinische, orientalische und ägyptische Kunstarbeiten integrierenden Heinrichsambo oder -kanzel; Kaiser Friedrich I. und seine Gattin Beatrix von Burgund stifteten 1165 den monumentalen Rund- oder Barbarossaleuchter; Kaiser Friedrich II. 1215 den unschätzbaren vergoldeten Karlsschrein mit den Gebeinen Karls des Großen und Reliefs der deutschen Könige seit Karl dem Großen; Kaiser Karl IV. 1350 die weltberühmte Karlsbüste. Albrecht Dürer, Teilnehmer und Augenzeuge der Krönung König Karl V. in Aachen am 24.10.1520, notierte zu diesem Tag, er habe ultimative Herrlichkeit und Schönheit gesehen: „alle herrliche Köstlichkeit, desgleichen keiner … köstlicher Ding gesehen“ (G. Unverfehrt: „Da sah ich viel köstliche Dinge“. Albrecht Dürers Reise in die Niederlande, Göttingen 2007, 104).

 

Zu diesen spirituellen Stätten des Welterbes treten 60 Welterbestätten der griechischen und römischen Zivilisation, deren Substanz von der messianischen Zivilisation aufgenommen wurde und in ihr weiterlebt. Ferner 151 technisch-industrielle Kulturstätten, die unmittelbare Produkte der wissenschaftlichen und technischen Exzellenz der Zivilisation der Christenheit sind. Denn auch in diesen Hinsichten deklassiert diese alles, und zwar um Dimensionen, was man sonst auf der Erde und in der Geschichte vorfindet. Ihre Schriftkultur und Mathematik definiert die internationalen Standards. Sie hat die an allen Universitäten der Welt gelehrte und in Technik und Industrie aller Kontinente angewandte Naturwissenschaft: Physik, Chemie und Biologie geschaffen. Sie hat die in allen Staaten der Welt maßgeblichen Verfassungen und Gesetzesordnungen theoretisch konzipiert, praktisch erprobt und jahrtausendelang vervollkommnet. Alle Ärzte und Kliniken der Welt sind der fortschrittlichen Medizin der europäischen Zivilisation verpflichtet, die von ärztlichen Persönlichkeiten der messianischen Ära entwickelt wurde. Reichtum, Schönheit und Perfektion der Musikkultur der europäischen christlichen Zivilisation sind ohne Parallele: Sie wird weltweit rezipiert und gefeiert. Dasselbe gilt von der schon angesprochenen, beispiellosen Kreativität, Qualität und Quantität der Architektur, Bildhauerei und Malerei. Das soziale Engagement und der sittliche Heroismus dieser Zivilisation übersteigt, so Augustinus in De vera religione, das Vorstellungsvermögen anderer Weltanschauungen und Sozialsysteme:

 

"Das ist es, was wir [= die vorchristlichen Platoniker] nicht wagten, den Leuten ernsthaft nahezulegen. Haben wir uns doch statt dessen lieber ihren üblen Gewohnheiten angepaßt, statt sie zu dem, was wir glaubten und wollten, hinzuführen. [Augustinus:] Wenn also jene Männer noch einmal das Leben mit uns teilen könnten [...] dann brauchten sie nur wenige Worte und Ansichten zu ändern, um selbst Christen zu werden. So haben es ja die meisten Platoniker unserer jüngsten Zeit gemacht.“ (W. Thimme (Hrsg.): Augustinus: Theologische Frühschriften. Vom Freien Willen. Von der Wahren Religion, Zürich / Stuttgart 1962, Kap. 4, 67, §§ 2224, 379381)